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Interview Stefan Bradl

 

Winterdepressionen Stefan Bradl

 

Facts

 

geboren am 29.11.1989 in Augsburg
Wohnort: Zahling
Website: www.stefanbradl.com
Hobbys: Motocross, Fitness, Playstation
Privates Motorrad: Honda VFR1200
► Aktuell: WSBK-Fahrer für Ten Kate Honda
Meister IDM 125 2005
Weltmeister Moto2 2011
Lieblingsstrecke: Mugello, Shanghai

 

 

 

Interview

 

Wir hatten die Ehre mit Stefan Bradl ein telefonisches Interview zu führen. Wir befragten ihn zu seinen Anfängen, etwas zu seiner Motorradpassion und natürlich auch zu seiner neuen Herausforderung in der WSBK. Freundlicherweise schickte uns Stefan auch was für die Verlosung zu! Mehr dazu erfährt ihr HIER oder nach dem Interview.
Viel Spaß beim Lesen!

BikerPassion: Hi Stefan Bradl. Erstmal danke, dass du dir Zeit für uns nimmst! Unsere Interviewserie heißt „Winterdepressionen“, da der Großteil der Hobbyfahrer momentan wegen der Jahreszeit pausiert. Hat man als Motorradrennfahrer in dieser Zeit auch weniger zu tun und kann mal entspannen, oder ist die Vorbereitungsphase für die neue Saison ähnlich intensiv wie die WM-Zeit?

Stefan Bradl: Nein, man hat vor allem in der Weihnachtszeit etwas
Ruhe was auch sehr wichtig ist, da man sonst das ganze Jahr unterwegs ist. Man ist auch mal ganz froh, wenn man etwas Zeit daheim verbringen kann. Dabei ist die Zeit von Dezember bis Januar sehr wichtig um sich zu erholen. Aber man trainiert trotzdem nebenher und vorbereitet sich physisch auf die neue Saison.

 

Bist du dann aktuell in deiner Heimat?

Ja momentan schon, über Silvester geht es mal in einen kleinen Urlaub aber sonst bin ich in der rennfreien Zeit meistens daheim.

 

In diesem Interview wollen wir etwas über dich, über deine Leidenschaft zum Motorrad und zu deiner aktuellen Herausforderung in der Superbike-WM erfahren. Du bist mit unglaublichen vier Jahren das erste Mal auf einem Pocketbike gesessen. Dein ebenfalls sehr erfolgreicher Vater Helmut Bradl hat dir Quasi das Talent in die Wiege gelegt. Drehte sich bei dir damals schon im Kinderzimmer alles um Motorräder?

Nein überhaupt nicht, im Gegenteil. Ich war ein sehr begeisterter Fußballer bis zur C-Jugend. Ich habe recht früh angefangen mit einem Moped durch den Garten zu fahren, aber im Endeffekt war das eher eine Beschäftigung nebenbei. All meine Freunde haben im Dorf Fußball gespielt und wir hatten viel Spaß dabei. Deswegen bin ich erstmal diesem Hobby nachgegangen. Später habe ich dann angefangen zu verstehen was mein Vater im Rennsport erreicht hat, wie erfolgreich er war. Und das hat mich mehr und mehr fasziniert. Mein Vater hat mich dann paar mal auf die Rennstrecke mitgenommen und zu dem Zeitpunkt habe ich dann zu ihm gesagt: „Hey ich möchte das auch unbedingt probieren“. Danach startete ich meine Karriere im Red Bull Rookies Cup 2003, wo ich davor über eine längere Zeit an Sichtungen teilgenommen habe.

Also bist du dann aus eigener Überzeugung Rennfahrer geworden oder hat dir das dein Vater schon immer versucht nahe zu legen?

Nein, mein Vater ist davon ausgegangen, dass ich weiterhin Fußball spielen würde oder Tennis. Ihm wäre es sogar zu diesem Zeitpunkt lieber gewesen, da der Rennsport sehr gefährlich ist.

 

Ich kenne das von meinen Eltern als ich meinen Motorradführerschein gemacht habe. Sie waren nie sonderlich darüber erfreut. War das auch ein Streitpunkt in der Familie, oder waren alle von der Entscheidung von Anfang an begeistert?

Die haben mir im zarten Alter von 12,13 Jahren klar gemacht, dass es keine Gaudi ist. Und wenn wir das wirklich machen, dann machen wir das alle zusammen und richtig. Es gibt kein „heute so“ und „morgen so“, sondern gehen den Weg auch wenn der Hart wird, ansonsten soll ich es gleich bleiben lassen. Das haben sie mir schon gut eingetrichtert.

 

Das hat gut funktioniert…

Joa, bis jetzt schon glaub ich.

…würde ich schon sagen! 


Fährst du dann privat auf der Straße auch Motorrad?

Ja schon, aber im Verhältnis relativ wenig. Im Sommer fahre ich gerne mal zum Baden oder zum Eis essen. Meistens bin ich da mit meinem Kumpels unterwegs und fahren da eher kleine Runden. Dabei fahre ich oft mit alten wertvollen Motorräder von der Oldtimersammlung meines Vaters, da die auch mal Bewegung brauchen. Drei mal im Jahr habe ich Sponsorausfahrten mit Viessmann, mein Partner aus der Moto2-Zeit, mit dem ich immer noch einen guten Kontakt pflege. Dabei fahren wir nach Österreich, Schweiz und Italien. Bei diesen Ausfahrten mache ich meine meisten privaten Kilometer.

 

Also kann man dich theoretisch auf der Straße beim biken mal treffen…

Ja, aber das ist dann meistens in den Bergen.

…da kommen wir ja her, mal schauen *lach*

 

Was ist aktuell deine Lieblingsmaschine?

Nun bin ich ja wieder Hondafahrer, da habe gleich als erstes die Honda Africa Twin bestellt. Auf die bin ich schon sehr gespannt. Mein Onkel hat die auch und findet die cool. Das ist ein Motorrad was mich interessiert. Bis dato fahre ich eine Honda VFR1200.

 

Schraubst du dann auch mal gerne selbst an deinen Motorrädern?

An meinen privaten Motorrädern mache ich nicht die Welt. Einen Öl- und Reifenwechsel mache ich gerne und bekomme ich auch noch hin. Auch meine Motocross warte ich meisten selber. Aber aktuell mache nicht mehr viel, nur das was momentan fällig ist. Im Alter von 16, 17 war das deutlich mehr.

 

Man sieht und hört dich immer nur in Verbindung mit dem Motorsport. Wie sieht es mit dem privaten Bradl aus: Musst du viel Abstriche in deinem Privatleben machen in Bezug auf Familie, Freundin und Hobby’s? Könntest du das noch 20 Jahre in diesen Umfang weiter machen?

Das kann ich so noch nicht sagen. Die Reiserei ist das Problem. Man ist von ende Januar bis November permanent unterwegs. Es kommt auch darauf an wie mein Plan wird in Hinsicht auf Familie gründen, Haus bauen und so weiter. Diesen Gedanke habe ich schon mal. Es hängt auch davon ab wie es in der Superbike-WM läuft und wie lange mir dieser Sport noch Spaß macht.

 

Leider hatte Stefans Telefon keine Akkuleistung mehr 😀 Interview Stefan Bradl Teil 2!

 

Hallo Stefan, schön das es wieder funktioniert! Wir sind beim privaten Bradl stehen geblieben und das du deine Zukunftsplanung auch etwas von der Superbike-WM abhängig machst. Mit der Superbike-WM würde ich gerne weiter machen. Du durftest für Ten Kate Honda schon einige Runden auf der Fireblade drehen. Wo sind die größten Unterschiede zu einer MotoGP Maschine einfach erklärt?

 

Im Prinzip ist der Unterschied nicht mal dramatisch. Die Leistung ist nicht unbedingt weniger, man merkt es nur in den höheren Gängen. Es ist etwas einfacher zu fahren, im Sinne von „draufsteigen und losfahren“. Das Motorrad fühlt sich einfach anders an. Es ist nicht alles so direkt und genau, man hat etwas mehr Bewegung im Fahrwerk. Die Unterschiede sind aber ehrlich gesagt nicht groß. Die Rundenzeiten sind auch sehr ähnlich.

Das wollte ich gleich als nächstes ansprechen. Jonathan Rea fuhr mit seiner Kawasaki ZX-10RR in Jerez mit 1:38,721 min eine erstaunliche Bestzeit und ließ mit dieser Zeit auch einige Moto-GP Piloten hinter sich. Hättest du als ehemaliger Moto-GP Pilot die hohe Speed der Superbike-Maschinen erwartet?

Ich muss dazu sagen, dass es in den letzten Jahren auch nicht anders war. Wenn die beiden Klassen im Januar in Jerez zusammen kommen, da war es auch immer so, dass die Superbikefahrer sehr schnell unterwegs fahren. Die „qualifying tires“ helfen natürlich auch dabei. Bei diesen Strecken waren die Zeiten schon immer eng beisammen, also darf man das auch nicht überbewerten. Auf anderen Rennstrecken sind die Unterschiede nie eklatant hoch, man spricht von maximal zwei Sekunden.

 

Man bekommt das als Fernsehzuschauer aber auch oft nicht wirklich mit. Findest du auch, dass die Superbike-WM mehr Aufmerksamkeit verdient hätte?

Es ist einfach so, dass die MotoGP vom Prestige her die Königsklasse ist, auch was das Marketing angeht. Mir ist es einfach nur wichtig, dass ich in der Klasse vorne dabei bin. Das die WSBK nicht auf dem selben Level wie die MotoGP in Hinsicht der Vermarktung und dem ganzen drum herum ist, ist einfach logisch.

 

Ok! Dann hast du mir schon fast meine nächste Frage beantwortet. Was sind deine Ziele für die nächste Saison? Natürlich möchte jeder Rennfahrer immer gewinnen, aber gerade in deinem Fall, im Bezug auf den Klassenwechsel, wird das möglicherweise andere Ziele geben oder nicht?

Also im ersten Jahr möchte ich auf jeden Fall vorne mit dabei sein. Ich lasse das auf mich zukommen. Wenn paar Podestplätze dabei rumkommen, dann wäre das natürlich toll und das ist auch das erklärte Ziel. Und das war auch mein persönlicher Grund umzusteigen. In der MotoGP waren meine Chancen
definitiv begrenzt. Du hängst alles rein und wenn es dann gut läuft bist du maximal unter den besten 10. In der Superbike-WM sind die Erfolgsaussichten wesentlich besser. Zudem habe ich ein starkes Team und habe hoffentlich mit der neuen Fireblade auch ein schlagfertiges Bike. Da bin natürlich auch schon sehr gespannt.

 

Wir hoffen für dich, dass der Einstieg für dich gut klappt! Kawasaki wird wieder das Team zu schlagen sein. Aber Honda wird mit Sicherheit nachlegen und mit dir als Fahrer sollte das gut funktionieren!

Ja, ich denke wir sind da ganz gut Aufgestellt. Die ersten Tests waren auch sehr positiv. Wir lassen das auf uns zukommen, vor allem auch was das neue Motorrad macht. Die Maschine wird Ende Januar fertig sein. Vermutlich werden wir nicht sofort um den Titel mitfahren können, aber langfristig wollen wir da auf jeden Fall hin.

 

Entdecken Sie die Markenwelt von POLO MotorradHat man als ehemaliger Moto-GP Pilot einen besonderen Erwartungsdruck, oder lässt dich sowas kalt?

Der Erwartungsdruck ist immer da. Solange man diesen Job macht gibt es immer Erwartungen und Druck, der ist allgegenwärtig. Ich kann ganz gut damit umgehen. Die einen erwarten, die anderen müssen
liefern und derjenige der liefern muss, bin ich. Man muss dabei einfach ruhig bleiben und sich nicht zu sehr einen Kopf machen. Für mich ist die Klasse neu. Zwei Rennen an einem Wochenende sind für mich auch neu. Aber ich freue mich darauf. Der erste Kontakt mit dem Team und der Klasse war wie bereits erwähnt gut. Den Rest machen wir Schritt für Schritt und dann mal schauen. 

 

Wie ist dein Verhältnis zu deinem Teamkollegen Nicky Hayden? Habt ihr schon Kontakt gehabt?

Ich kenne den Nicky schon lange. Wir haben einige gute Fights auf der Rennstrecke gehabt. Wir haben uns in den ersten Tests auch sehr viel unterhalten, das Verhältnis stimmt. Jeder macht natürlich sein eigenes Ding, aber mit dem Nicky komme ich super zurecht.

 

Vielen Dank für dieses Interview, wir haben uns sehr darüber gefreut dass es geklappt hat!

Gerne wieder!

 

 

Schlussendlich lässt sich sagen, dass Stefan ein sehr sympatischer und entspannter Typ ist. Er hat sich für uns viel Zeit genommen und dafür sind wir sehr dankbar. Wir wünschen dir alles Gute in der Superbike-WM!

 

 

Und das hat uns Stefan zur Verlosung für den guten Zweck bereitgestellt:

 

Mehr Infos und die Teilnahmebedingungen zur Verlosung findest du HIER!