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Interview Luca Grünwald

 

Facts

 

geboren am 10.11.1994 in Mühldorf
Wohnort: Waldkraiburg
Website: www.luca-gruenwald.de
► Facebook: facebook.com/LucaGruenwald43
Meisterschaftsgewinne: IDM 125 (2010), IDM Moto 3 (2012)
Lieblingsstrecke: Phillip Island
Hobbys: Supermoto, Motocross, Eishockey

 

Interview

 

BikerPassion.de: Hallo Luca! Schön, dass du uns besuchst und dir Zeit für ein Interview nimmst. Unsere Interview-Serie heißt „Winterdepressionen“, da der Großteil der Hobbyfahrer momentan wegen der Jahreszeit pausiert. Bist du auch so wehleidig was den Winter angeht oder bist du ganz froh, dass mal Ruhe einkehrt?

Luca: Mal so mal so. Ich möchte natürlich wieder aufs Motorrad. Oft ist aber so, dass noch nichts für die nächste Saison entschieden ist. Da ist man schon ganz froh, wenn mal wieder etwas Ruhe einkehrt und man sich darum kümmern kann. Aber ab Weihnachten will man endlich wieder was zum fahren haben, beispielsweise Motocross oder Supermoto, wenn es die Möglichkeit gibt.

 

Du bist oft in Marktl (www.kom-marktl.de) beim Supermoto fahren. Dort hast du die Bestzeit von 27:4xx gesetzt. Jeder der dort schon mal unterwegs war, weiß wie krass schnell das ist! Bist du begnadeter Supermotofahrer oder trifft man dich tagtäglich dort?

Nein, das wird mir jetzt keiner glauben aber es ist wirklich so. Nun war ich das erste Mal wieder nach fünf Jahren auf dieser Strecke. Es hat dann gleich einen riesen Spaß gemacht und und nach drei, vier mal konnte ich super Zeiten fahren. Bin da auch letztens ein 3h Rennen gefahren. Man muss dafür sehr fit sein und von daher ist es ein super Training und gut für die Kondition. Jetzt werde ich im Winter noch paar mal vorbeischauen und an der Zeit feilen.

 

Was treibst du noch außer Supermotofahren, wenn du Zeit hast?

Ich habe von Yamaha eine Cross Maschine bekommen und bin damit gerne mal in der Halle unterwegs. Sonst wie gesagt Supermoto. Im Winter sind die Möglichkeiten leider etwas begrenzt.

 

Apropos Ruhe. Lange war unklar was aus der IDM wird. Nach dem Ausstieg von ADAC aus der Serie, bemühen sich die Betreiber die finanzielle Unterstützung voranzutreiben. Ein vorläufiger Kalender steht immerhin schon. Wie sieht es bei dir aus? Wirst du nächste Saison wieder für Freundenberg Racing fahren?

Stand jetzt werde ich wahrscheinlich nicht für Freudenberg Racing antreten können. Das ist Schade, denn wir waren ein sehr gutes Paket. Leider geht es finanziell nicht so ganz hin wie erhofft. Außerdem setzt Freundenberg Racing den Fokus auf das Moto3 Engagement und die neue Supersportklasse, wo sie dadurch schon gut ausgelastet sind. Aber ich bin dran was anderes zu finden. Das Ziel ist wieder in der IDM zu starten und ein konkurrenzfähiges Motorrad zu bekommen.

 

Nochmal zurück zu deinen Anfängen. Wie bist du auf das Motorrad fahren gekommen? Dein Vater hat dich nach dem ehemaligen Rennfahrer Luca Cadalora benannt. Hast du seine Begeisterung geerbt?

Ja, ich denke schon ein bisschen. Er und mein Onkel sind früher selber Rennen gefahren. Wo ich noch recht klein war, habe ich eine Honda Monkey von meinem Vater bekommen. Mit der habe ich das Fahren gelernt. Es hat sofort sehr viel Spaß gemacht. Zeitgleich fand damals die ADAC Mini Bike-Serie statt. Der Vater von Jonas Folger und mein Vater sind dann beim Stammtisch darauf gekommen, die Kinder dort mal mit fahren zu lassen. Leider war ich noch zu jung und musste noch ein Jahr warten. Dann ist es aber losgegangen.

 

Sehr stark! Das war 2003, also mit 9 Jahren, als du das erste Mal mit einem Mini Bike ins Rennen gegangen bist. Wie du bereits erwähnt hast warst du anfangs zu jung um mitzufahren. Am Ende der Saison durftest du dann aber dennoch mit dem Mini Bike von Jonas Folger beim letzten Rennen teilnehmen und hast auf Anhieb den 3.Platz mit der schnellsten Runde rausgeholt. War das der Punkt wo dir und deiner Familie klar geworden ist, dass aus dir mal ein Rennfahrer werden würde?

Ja das war echt cool, da erinnere ich mich gerne daran. Da war es vielleicht noch nicht ganz klar. Nach 1-2 Jahren Mini Bike ist es dann schon klarer geworden. Ich habe mich beim Motorrad fahren nie schwer getan. Als verstanden habe wie das mit der Kupplung und Schaltung funktioniert, habe ich mich einfach drauf gesetzt und bin los gefahren. Und so ist es dann losgegangen. Irgendwann hat man dann begriffen, dass es eine Karriere werden könnte und das war eigentlich schon immer mein Ziel. Ich wollte soweit kommen, dass ich von dem Motorsport leben könnte. Leider ist es momentan schwierig, dass zu erreichen, da die Begeisterung und die Unterstützung auf nationaler Ebene eher gering ist. Aber ich bin dran.

Es ist wirklich schade, dass die IDM da so wenig Unterstützung bekommt, da es ja eine tolle und spannende Serie ist. Auf nationaler Ebene gibt es zum Vergleich in England die British-Superbike-WM, die wesentlich besser promotet wird…

…ja die ist wahnsinnig gut promotet und vermarktet. Dementsprechend ist auch die Aufmerksamkeit viel höher. Die Fahrer sind jedoch im Vergleich nicht schneller als wir in der IDM. Das müssen wir wieder hinkriegen und es wird auch schon im Hintergrund dafür gearbeitet.

 

Da ich ja selber einen kleinen Sohn daheim habe, würde es mich interessieren, wie viel Zeit man für die Nachwuchsarbeit stecken und welchen Weg man einschlagen muss um seinem Kind die Wege für eine Rennfahrerkarriere zu öffnen?

Am wichtigsten ist es, dass das Kind den Rennsport wirklich will. Man muss sich dafür verlieben, damit es funktioniert. Wenn das Kind alt genug ist und Motorrad fahren möchte, dann kann man ihm ein kleines Moped kaufen und ihn auf der Wiese üben lassen. Alles andere ergibt sich dann von selber. Das Kind sollte nicht Motorrad fahren um Weltmeister zu werden, sondern um Spaß zu haben.
Wenn es dann in die Mini Bike Serie gehen sollte, muss man natürlich schon etwas Geld in die Hand nehmen. Aber das kann man sich in der Regel noch leisten. Für weitere Schritte müssen dann schon Sponsoren herangezogen werden. Aber wie gesagt, dass kommt dann alles von selbst. 

 

Mit Freundenberg Racing ging es dann für dich 2010 in die IDM in der 125er Klasse, wo du 2010 die Meisterschaft gewonnen hast. 2012 dann in die IDM MOTO3, wo du ebenfalls die Meisterschaft gewonnen hast. In der Saison hast du sogar den 8ten Rang im Sachsenring mit einer Wildcard in der WM eingefahren.

Respekt! Neben den ganzen Erfolgserlebnissen, war das bestimmt auch sehr anstrengend, vor allem als Heranwachsender. Wie hast du diese Zeit empfunden?

Im nachhinein ist diese Zeit brutal schnell vergangen. Als ich zu Freundenberg Racing gekommen bin ist es voll abgegangen. Da hat einfach alles gut funktioniert und ich konnte frühzeitig die Meisterschaft gewinnen. Dazwischen war dann ein Jahr, wo es nicht so gelaufen ist. 2012 war dann dafür wieder eine super Saison, wenn auch etwas zäh. Alles in allem hatte ich aber immer eine super Zeit. Es war nie so, dass ich mal nicht mehr wollte, dass jemand etwas von mir verlangt hat oder jemand beleidigt war, wenn es mal nicht gut geklappt hat. Es hat immer sehr viel Spaß gemacht und war eine schöne Zeit.

 

2014 durftest du im Moto3 Zirkus mitmischen. Welche Erfahrungen hast du da mitgenommen? Welche Unterschiede zum IDM-Zirkus haben dich am meisten Beeindruckt?

Also jeder empfindet den Unterschied anders. Ich persönlich finde den extrem. Aus sportlich Sicht ist da das Niveau extrem hoch. Wenn man in der nationalen Meisterschaft vorne dran ist, heißt es nicht, dass man international da auch mitmischt. Das ist erstmal ein kleiner Schock. Nach den ersten Fahrten, dachte ich sei gut dabei. Aber da waren 20 andere schneller. Man muss auch dazu sagen, dass die Zeiten extrem eng beieinander liegen. Leider lief es bei mir in dieser Saison nicht so rund. Am Anfang habe ich mir schwer getan und dann anschließend das Motorrad gewechselt. Der Wechsel zu einer neuen Kalex hat aber nicht viel gebracht. Zudem habe ich mich mitten in der Saison in Brünn nach einem Sturz an der Schulter verletzt. Letztendlich musste ich dann aus finanziellen Gründen die Moto3 verlassen, da diese sehr sehr teuer ist. Für mich war das aber eine schöne Zeit. Ich war da, wo ich schon immer mal hin wollte. Außerdem hat man vieles von der Welt gesehen, schöne Strecken und coole Leute kennen gelernt. Gerne hätte ich noch paar Jahre dran gehängt.

 

Werden wir dich vielleicht wieder in der MotoGP sehen oder wird dein Weg weiter mit den Superbikes gehen?

Moto3 wäre jetzt eher unwahrscheinlich, da bräuchte ich zu lange um wieder rein zu kommen. Wenn es irgendwo die Möglichkeit gibt und das Umfeld passt, würde ich sofort in der Moto2-Meisterschaft einsteigen. Ich bin mir sicher, dass ich es drauf hätte. Bin schon sehr viele Motorräder gefahren und bin immer mit jeder Maschine gut zurecht gekommen und war immer schnell.

 

2015 bist du in der IDM Superbike Klasse gefahren. Wie war der Sprung von den 125er auf die 1000er? 

Das war wie beim ersten mal Motorrad fahren lernen. Am Anfang war der Unterschied sehr krass. Ich hätte nicht erwartet, dass das Superbike fahren so anders ist. Ich begann dann langsam die Maschinen zu verstehen und konnte mich nach und nach umstellen. Damals habe ich mit der Kawasaki ZX10R angefangen. Die Saison war aber nicht sehr erfolgreich, da die Maschine im Vergleich zur Konkurrenz deutlich älter war. Zudem habe ich mich gleich beim ersten Rennen verletzt und bin paar Wochen ausgefallen.

 

 

Dafür lief es 2016 mit der Yamaha-R1 von Freundenberg-Racing umso besser…

…ja, da habe ich mich wieder gefangen und konnte gute Ergebnisse einfahren. Ich wurde damals zu einem Test mit der neuen Yamaha eingeladen und es hat sofort funktioniert. Gerade für meine Körperstatur war die Maschine super zum fahren. Da wusste ich sofort: „Wenn ich mit dem Motorrad fahren kann, bin ich vorne dabei“. Das es dann tatsächlich auf Anhieb so gut in der ersten Saison geklappt hat, freute mich natürlich sehr.

 

Hast du eigentlich vor jedem Rennen ein Ritual? 

Ja paar Kleinigkeiten. Ich ziehe mir immer erst den linken, dann den rechten Handschuh an und sitze mich immer paar Minuten vor dem Rennen hin und komme runter. Was das angeht, bin ich eigentlich recht simpel. Manche brauchen schon fast eine Liste um alles abzuarbeiten.

 

Genug zur Karriere. Bist du privat auch mit dem Motorrad unterwegs?

Eher weniger. Ich habe selber kein Motorrad. Mein Vater hat paar Maschinen, die ich ab und zu bei schönem Wetter bewege.

 

 

 

Paar Wörter zu folgenden Stichpunkten:

 

– Lieblingsstrecke

Phillip Island.

– Lieblingsessen

Schnitzel.

– Bayern

Gut das man hier wohnen.

– Vorbild

Valentino Rossi.

– lieblings Fußballverein

Habe keinen.

– 3 Dinge die du gar nicht magst

Schlechtes Wetter. Das sich bei uns zu viel um den Fußball dreht. Und das es auf der Welt zurzeit sehr ungerecht zu geht.

– Traumauto

 Dodge Ram Pickup, wo hinten eine Cross platz hätte.

– war warst du das letzte Mal im Urlaub

Zakynthos, Griechenland.

– Blond oder Brünette

Blond.

 

So wir sind fertig! Vielen Dank für deinen Besuch und für das coole Interview! Für unsere Spendenaktion an MEHRSi, hast du uns Autogrammkarten und ein paar signierte Handschuhe bereitgestellt. Vielen Dank dafür! Wir wünschen dir viel Erfolg auf deinem weiteren Weg.

Sehr gerne! Vielen Dank!

 

Und das hat uns Luca zur Verlosung für den guten Zweck bereitgestellt:

Mehr Infos und die Teilnahmebedingungen zur Verlosung findest du HIER!