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Interview Jonas Folger

 

 

 

Facts

 

geboren am 13.08.1993 in Mühldorf
Wohnort: Schwindegg
Website: www.jonasfolger.com
Facebook: @jonasfolger94 
► Aktuell: MotoGP Monster Yamaha Tech 3
Stationen: Moto2, Moto3, MotoGP125 usw.
Lieblingsstrecke: Sepang
Privates Motorrad: KTM Superduke, Yamaha XS650

 

 

Hallo Jonas. Erstmal vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview nimmst. Wir befinden uns gerade im Fitnessstudio und besuchen dich nach deinem Training. Wie oft und was genau trainierst du?

Ich trainiere fünf bis sechs Tage die Woche, jeweils vor- und nachmittags. Heute absolvierte ich ein Zirkeltraining. Da geht es darum, an verschiedenen Stationen die Kraft, die Koordination und auch die Ausdauer auszubauen. Jede Übung dauert eine Minute und dazwischen gibt es jeweils 20 Sekunden Pause.
Ansonsten trainiere ich im Winter auch viel daheim, auf dem Radl, gehe viel schwimmen, und nebenbei auch mal rudern und klettern. Ich versuche das so frei und abwechslungsreich wie möglich zu gestalten.

 

Wie wichtig ist die Fitness in Bezug auf die Beschleunigungskräfte in der MotoGP? Bist du trotz des vielen Trainings nach einem Rennwochenende richtig platt oder hast du irgendwo Muskelkater oder gar Schmerzen?

Sinn und Zweck vom Training ist es eben, genau das vorzubeugen und dass man von der ersten bis zur letzten Runde hundert Prozent konzentriert ist. Wenn die Kondition nachlässt, dann lässt auch die Konzentration nach und dann passieren Fehler.
Deswegen versucht man als Rennfahrer die Kondition immer zu verbessern, was aber nicht immer einfach ist, da wir während der Saison viel unterwegs sind. Ich versuche dennoch jede freie Minute zu trainieren.

 

Unsere Interview-Serie heißt „Winterdepressionen“, da der Großteil der Hobbyfahrer in der Winterpause pausiert.  Nun haben wir es endlich März und die Tage werden wärmer und länger. Auch für dich geht es in die heiße Phase der Vorbereitung. Du konntest dich bereits mit starken Zeiten in den Tests beweisen und warst bester Rookie. Wie sind deine ersten Eindrücke der Yamaha Tech-3 Maschine?

Der erste Eindruck war für mich natürlich spannend. Ich war auch sehr aufgeregt, denn das sind die schnellsten Motorräder überhaupt. Ich war aber total überrascht, wie einfach sich die Maschine fahren lässt durch die Elektronik. Es ist sogar weicher zu fahren, als die Moto2 und sogar auch als jede andere 1000er Serienmaschine. Man hat somit ein super ruhiges Motorrad, welches natürlich auch unglaublich schnell ist.

 

Würdest du dann auch behaupten, dass dir die MotoGP Maschine besser liegt, als die Moto2?

Auf den ersten Eindruck, ja. In der Moto2 hatte ich aufgrund meines Bremsstils viele Probleme mit den Reifen. Da ich oft quer gefahren bin, habe ich viele Reifen verheizt. Leider habe ich nie eine Lösung gefunden, wie ich mich in der Hinsicht verbessern kann.
In der MotoGP hat man allerdings sehr viele einstellbare Parameter. Wir konnten damit glücklicherweise das Problem in den Griff bekommen und ich rutsche nun viel weniger. Das ist für mich natürlich eine riesige Erleichterung.

 

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Kann man aufgrund der guten Testzeiten schon eine Prognose über den Verlauf der ersten Rennen wagen oder wurden von den Teams noch nicht alle Karten auf den Tisch gelegt?

Das ist schwierig zu sagen. Es gab in den Teams auch viele Fahrerwechsel. Man kann nicht sagen, mit welchem Risiko andere Rennfahrer bei den Tests gefahren sind. Aber ich denke, dass jeder hundert Prozent gibt und schaut welche Zeiten drin sind. Deswegen glaube ich nicht, dass die Ergebnisse in irgendeiner weiße verfälscht wären.
Ich denke wir haben gezeigt, dass wir richtig schnell sind. Jetzt müssen wir das auch am Rennwochenende beweisen. Wir wollen aber den Ball flach halten und unser Ziel im Auge behalten. Unser Ziel ist es, in den ersten Rennen Punkte zu sammeln. Und wenn wir für eine Überraschung sorgen können, dann ist es umso besser.

 

Vielleicht mal zu deinen Anfängen. Du hast ja wie die meisten Rennfahrer bereits sehr früh Kontakt zum Motorsport gehabt. Mit drei Jahren hast du ein Motorrad von deinem Vater geschenkt bekommen, der ja ebenfalls im Rennsport aktiv war. Mit zehn Jahren dann die Karriere im ADAC Mini Bike Cup. Luca Grünwald hat dazu auch schon in einem anderen Interview von uns etwas erwähnt. Wie war die Zeit für dich? War es als Kind stressig und schon ernst, oder konntest du da zu jedem Zeitpunkt Kind sein?

Also die Minibike-Zeit war noch relativ entspannt. Aber ich habe das als Kind gleich sehr ernst genommen. Wenn ich zweiter oder dritter wurde, musste ich weinen. Mit zwölf Jahren bin ich dann im Rahmen einer Förderung durch die Dorna nach Spanien gereist. Dort durfte ich drei Jahre lang in der spanischen Meisterschaft fahren. Das war auch mein Glück, denn so bin ich in die WM reingerutscht.
Diese Zeit war nicht immer einfach, da ich viel unterwegs war. Ich konnte vielleicht nicht so Kind sein, wie andere in dem Alter. Aber letztendlich war das auch eine coole Zeit und ich bereue nichts. Jetzt bin ich da, wo ich immer mal sein wollte und erfülle mir damit meinen Traum. Von nichts kommt nun mal nichts, deswegen muss man auch mal durch eine schwere Zeit gehen.

 

Nun konntest du bereits viele Erfolge in der Moto3 und Moto2 feiern und jetzt schon auf eine sehr erfolgreiche Zeit zurückblicken. Jetzt steht die erste Saison in der MotoGP, der Königsklasse des Motorradsportes an. Für dich geht vermutlich ein großer Traum in Erfüllung. Hättest du und deine Familie damals schon mit diesem Erfolg gerechnet? Und worauf freust du dich jetzt am meisten in der MotoGP?

Mein Vater und mein Onkel haben schon immer sehr stark an mich geglaubt, vielleicht sogar mehr wie ich an mich selber. Das ist aber auch normal, wenn der eigene Sohn eine Rennkarriere startet. Ich bin über die Unterstützung auch sehr froh, denn wenn es mal nicht gut läuft, päppeln die mich auf und reden mir ein, dass ich es abhaken soll und es schaffen werde. Das ist sehr wichtig für mich. Wenn die Leute in deinem Umfeld zweifeln würden, dann wird es schwieriger.

 

Hängt einem das lange nach, wenn ein Wochenende mal nicht so optimal gelaufen ist, oder man gar gestürzt ist?

Man stürzt als Motorradrennfahrer schon sehr oft und irgendwann lernt man, dass es nichts bringt sich darüber lange aufzuregen. Wichtig ist dabei, dass man den Grund für den Sturz findet, dann kann man besser damit abschließen. Es bringt nichts gleich ins Motorhome zu laufen, sich umzuziehen und über das verkorkste Wochenende zu fluchen.

 

Einige Fahrer hören vor einem Rennen Musik, schotten sich etwas ab oder versuchen mit dem Motorrad eins zu werden. Hast du auch ein bestimmtes Ritual vor Rennbeginn, oder gehst du eher gelassen und mit freiem Kopf an die Sache ran?

Ich mache mich immer vor dem Rennen 20-30 Minuten warm und höre Musik. Dabei versuche ich meinen Puls hochzukriegen und etwas aggressiv und angriffslustig zu werden. In der Box gehe ich nochmal Änderungen am Motorrad durch, damit ich das im Hinterkopf habe. Außerdem visualisiere ich ein bisschen, indem ich die Strecke mit jeder Kurve und dem entsprechenden Gang im Kopf nachfahre. Dann bin ich konzentrierter und kann andere Gedanken ausblenden. Zum Schluss kommen die Ohrstöpsel rein und dann geht’s los.

 

 

Wen siehst du so als direkten Konkurrenten an bzw. an wem misst du deine eigene Leistung?

Momentan ist es mein Teamkollege, Johann Zarco. Er ist zweimaliger Moto2-Weltmeister und war von daher schon in der Moto2 mein Gegner. Wenn er schneller sein sollte, werde ich versuchen mich an ihm dran zuhängen und auch zu schlagen. Der erste Konkurrent ist eigentlich immer der Teamkollege.

 

Während einem Rennen seid ihr Rennfahrer ja alle Gegner und versucht, das für euch beste Ergebnis einzufahren. Wie ist das Verhältnis abseits der Rennstrecke?

Noch habe ich nicht alle von der MotoGP kennengelernt. Im Grunde verstehe ich mich eigentlich mit jedem gut. Ich denke alle sind schwer in Ordnung. Klar, schaut im Endeffekt jeder nur auf sich, deshalb darf man sich nicht zu sehr auf eine Freundschaft einlassen und sein vollstes Vertrauen schenken. Aber man ist nett zueinander und zeigt dem Gegenüber Respekt. Auf der Rennstrecke geht es wieder anders zu.

 

Stichwort privat. Wir wollen ja nicht nur über Rennsport reden, sondern auch etwas über dich erfahren: Fährst du privat auf der Straße auch Motorrad?

Ich fahre nicht oft, aber wenn ich fahre, dann eher eine gemütliche Runde. Seit zwei Jahren fahre ich privat eine KTM Superduke. Momentan lasse ich die alte Yamaha XS650 von meinem Vater und mir als Caferacer umbauen. Ich interessiere mich für Retrobikes und Umbauten. Finde ich cool.

 

Über die gesamte Saison bist du ziemlich viel unterwegs und kommst bestimmt kaum zur Ruhe. Aber wenn du mal Freizeit hast, wie beschäftigst du dich da?

Ich mache viel mit meiner Tochter, Freundin und Freunden. Ich habe auch einen Hund. Also langweilig wird es mir nie. Wenn ich Freizeit habe, dann versuche ich diese auch mit den engsten Leuten zu verbringen. Das tut mir auch unheimlich gut, da ich da super abschalten kann.

 

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Wo Licht ist, ist auch Schatten. Welche Abstriche musstest du bisher in deinem Leben machen und bereust du diese?
 

Ich habe weniger Zeit wie manch andere für Familie und Freunde. Ich kann jetzt leider nicht am Wochenende die Seele baumeln lassen und feiern gehen. Da muss man etwas einstecken können. Aber solange ich das machen kann, von dem ich schon immer träumte, dann mache ich’s auch. Den Rest kann man irgendwann nachholen.

 

Zum Abschluss noch ein kleiner Ausblick in die Zukunft. Was sind deine Pläne und wo siehst du dich, sagen wir mal, in 5 Jahren?

Der Plan ist irgendwann in einem Factory-Team zu fahren. Optimal wäre es, die nächsten zwei Jahre vor meinem Teamkollegen die Saison zu beenden und generell gute Resultate einzufahren. Und der Traum wäre natürlich für ein Werksteam zu fahren. Fürs erste muss ich das erstmal ausblenden und mich auf das Wesentliche konzentrieren. Ich werde es so wie immer machen und immer Schritt für Schritt, Rennen für Rennen, Saison für Saison das Beste geben. Und dann kommt es von alleine oder eben auch nicht.

 

Nun gut Jonas, wir haben dich jetzt lang genug gelöchert und deine Zeit bin Anspruch genommen. Vielen Dank, dass du dich dazu bereit erklärt hast.
Wir von Bikerpassion.de wünschen dir jedenfalls einen guten Einstieg in die MotoGP und viel Erfolg weiterhin. Wir werden wie immer mitfiebern und dich anfeuern! Fooolgaas! 🙂

 

 

 

Und das hat uns Jonas für die Verlosung zugunsten MEHRSi bereitgestellt:

Mehr Infos und die Teilnahmebedingungen zur Verlosung findest du HIER!